Welt-Alzheimertag: Neues aus der Forschung

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Neue Wege im Kampf gegen Alzheimer: Forschung für bessere Möglichkeiten zur Früherkennung, Prävention und Behandlung.

 

 KI generiertes Bild einer modernen 3D-Darstellung des menschlichen Gehirns  KI generiertes Bild einer modernen 3D-Darstellung des menschlichen Gehirns © Olga Ко – stock.adobe.com – generiert mit KI

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenzerkrankung und stellt Betroffene, Angehörige und das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Der Welt-Alzheimertag am 21. September macht jedes Jahr auf die Erkrankung und ihre Auswirkungen aufmerksam. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen: Veränderungen im Gehirn können bereits viele Jahre vor dem Auftreten erster klinischer Symptome beginnen. Umso wichtiger sind neue Erkenntnisse darüber, wie die Erkrankung möglichst früh erkannt, ihr Fortschreiten verlangsamt und Risikofaktoren gezielt beeinflusst werden können.

Auch an der Medizinischen Universität Graz beschäftigt sich die Forschung intensiv mit diesen Fragen. Marisa Koini forscht im Fachbereich Neuropsychologie & Neuroscience an der Universitätsklinik für Neurologie und beschäftigt sich dabei insbesondere mit den kognitiven Veränderungen im Laufe des Alterns.

Alzheimer beginnt nicht erst mit den ersten Symptomen

Die Alzheimer-Erkrankung entwickelt sich schleichend. Bereits lange bevor Gedächtnisprobleme im Alltag auffallen, können sich krankhafte Veränderungen im Gehirn entwickeln. Dazu zählen unter anderem die Ablagerung bestimmter Eiweiße sowie Veränderungen von Nervenzellen und ihrer Kommunikation. „Wenn wir verstehen und beeinflussen wollen, wie sich Alzheimer entwickelt, müssen wir die Erkrankung möglichst früh untersuchen. Zum Zeitpunkt der Diagnose sind die krankhaften Veränderungen im Gehirn häufig bereits weit fortgeschritten. Gerade die frühe Krankheitsphase bietet uns daher die Chance, jene Prozesse zu verstehen, die den weiteren Verlauf der Erkrankung bestimmen“, erklärt Marisa Koini. 

Ein wichtiger Schwerpunkt der modernen Alzheimer-Forschung liegt deshalb auf der Früherkennung. Mit bildgebenden Verfahren, Blut- und Liquor-Biomarkern sowie kognitiven Tests wird zunehmend versucht, krankheitsrelevante Veränderungen bereits in sehr frühen Stadien sichtbar zu machen. „An der Med Uni Graz arbeiten wir daran, Demenzerkrankungen früher und präziser zu erkennen und ihren Verlauf besser vorherzusagen. Dabei verbinden wir unterschiedliche Forschungsansätze: Wir untersuchen Biomarker in Blut und Nervenwasser, entwickeln neue Verfahren zur genaueren Auswertung von MRT-Aufnahmen und erforschen, welche biologischen Veränderungen mit dem Krankheitsverlauf zusammenhängen“, berichtet Marisa Koini. Laut der Expertin konnten Grazer Forschende etwa zeigen, dass Neurofilamente bereits mit Veränderungen des alternden Gehirns in Zusammenhang stehen. Zudem wurde ein Verfahren entwickelt, mit dem sich das Volumen des Hippocampus – eine für die Alzheimer-Erkrankung besonders relevante Hirnregion – präziser bestimmen lässt. „Unser Ziel ist es, aus diesen unterschiedlichen Puzzleteilen ein immer genaueres Bild der Erkrankung zu erstellen und Veränderungen möglichst früh zu erkennen“, so Marisa Koini.

Erkrankungsrisiko: Lebensstil- und Gesundheitsfaktoren

Neben der möglichst frühen Diagnose steht auch die Frage im Mittelpunkt, wie sich das Erkrankungsrisiko beeinflussen lässt. Heute ist bekannt, dass neben nicht beeinflussbaren Faktoren wie Alter und genetischer Veranlagung auch verschiedene beeinflussbare Lebensstil- und Gesundheitsfaktoren eine Rolle spielen können. Dazu zählen unter anderem Bewegung, Herz-Kreislauf-Gesundheit, Ernährung, Schlaf und soziale Aktivität. „Dabei ist wichtig zu verstehen, dass Demenz nicht in jedem Fall verhindert werden kann. Wir wissen heute aber, dass ein erheblicher Teil des Erkrankungsrisikos mit Faktoren zusammenhängt, die grundsätzlich beeinflussbar sind. Prävention bedeutet daher, möglichst früh jene Faktoren zu stärken, die unsere Gehirngesundheit über das gesamte Leben hinweg unterstützen. Selbst wenn wir eine Erkrankung nicht vollständig verhindern können, kann es bereits ein großer Erfolg sein, ihren Beginn hinauszuzögern und möglichst viele Jahre mit guter kognitiver Gesundheit zu gewinnen“, so Marisa Koini.

Von der Forschung in die Praxis

Auch neue Therapien haben sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Während Alzheimer lange Zeit vor allem symptomatisch behandelt werden konnte, zielen neue Therapieansätze zunehmend auf krankheitsauslösende beziehungsweise krankheitsbegleitende Prozesse ab. Die Med Uni Graz ist an dieser Entwicklung aktiv beteiligt. Mit InRAD, dem Internationalen Alzheimer-Register, ist die Universitätsklinik für Neurologie Teil einer internationalen Beobachtungsstudie, die Behandlungs- und Verlaufsdaten von Menschen mit Alzheimer-Erkrankung systematisch erfasst. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie sich neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten unter realen Versorgungsbedingungen bewähren. 

Gleichzeitig ist die Med Uni Graz Projektpartnerin in der LETHE-AT-Studie, die vom Institut eHealth der FH JOANNEUM in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien geleitet wird. Die Studie setzt bereits früher im Krankheitsprozess an: Sie untersucht bei Menschen mit erhöhtem Demenzrisiko, wie personalisierte Maßnahmen in Bereichen wie Bewegung, Ernährung, kognitives Training, Herz-Kreislauf-Gesundheit, soziale Aktivität und Schlaf dazu beitragen können, individuelle Risikofaktoren zu reduzieren und die Gehirngesundheit langfristig zu fördern.

Eine grundlegende Veränderung gibt es auch in der medikamentösen Behandlung der Alzheimer-Erkrankung. An der Gedächtnisambulanz der Universitätsklinik für Neurologie der Med Uni Graz steht mit Lecanemab und Donanemab erstmals eine Anti-Amyloid-Antikörpertherapie für geeignete Patient*innen mit früher Alzheimer-Erkrankung zur Verfügung. Anders als bisherige rein symptomatische Medikamente richtet sich diese Therapie gezielt gegen Amyloid-beta-Ablagerungen im Gehirn und kann den Krankheitsverlauf verlangsamen. Voraussetzung sind eine sorgfältige diagnostische Abklärung, die Auswahl geeigneter Patient*innen sowie eine engmaschige medizinische Begleitung.

Forschung braucht einen langen Atem

Die Alzheimer-Forschung steht damit an einem entscheidenden Punkt: Neue diagnostische Möglichkeiten und therapeutische Ansätze eröffnen Perspektiven, werfen aber auch neue Fragen auf. Entscheidend wird sein, wissenschaftliche Erkenntnisse möglichst rasch in die klinische Praxis zu übertragen und gleichzeitig die individuellen Bedürfnisse der Patient*innen und ihrer Angehörigen im Blick zu behalten.

„Wir erleben derzeit einen grundlegenden Wandel in der Alzheimer-Forschung. Wir können die Erkrankung immer früher und genauer erfassen und verfügen erstmals über Therapien, die direkt in Krankheitsprozesse eingreifen können. Die große Herausforderung besteht nun darin, herauszufinden, welche diagnostischen und therapeutischen Ansätze für welche Patient*innen tatsächlich den größten Nutzen bringen – und diese Erkenntnisse rasch in die klinische Versorgung zu übertragen. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass hinter jeder Diagnose ein Mensch und meist auch eine Familie steht. Forschung muss deshalb letztlich daran gemessen werden, ob es uns gelingt, den Ausbruch einer Demenz hinauszuzögern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und möglichst viele Jahre mit guter Lebensqualität und Selbstständigkeit zu gewinnen“, so Marisa Koini abschließend.

Der Welt-Alzheimertag macht nicht nur auf die Erkrankung aufmerksam, er bietet auch Anlass, den Blick auf die Fortschritte der Forschung zu richten: Je besser die Mechanismen der Erkrankung verstanden werden, desto gezielter können neue Wege für Früherkennung, Prävention und Therapie entwickelt werden.

 

#Healthy Aging – gesund älter werden
Healthy Aging an der Med Uni Graz – Forschung, Lehre und Praxis im Dialog

 

Steckbrief: Marisa Koini

Marisa Koini ist klinische Neuropsychologin, assoziierte Professorin an der Medizinischen Universität Graz und an der Univ.-Klinik für Neurologie tätig. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt sie sich mit altersbedingten und krankheitsassoziierten Veränderungen des Gehirns, insbesondere im Zusammenhang mit Demenzerkrankungen und gesundem Altern. Zu ihren zentralen Forschungs- und Behandlungsschwerpunkten zählen Demenz und Healthy Aging, funktionelle und strukturelle Bildgebung des Gehirns sowie digitale Gesundheitsanwendungen. Darüber hinaus untersucht sie den Einsatz neuer Technologien in der Demenzforschung und ‑diagnostik, etwa digitale Tests, innovative Analyseverfahren oder andere Ansätze aus dem Bereich Digital Health, um kognitive Veränderungen frühzeitig zu erkennen und besser zu verstehen. 

Weitere Informationen

Assoc.-Prof.in PDin Mag.a Dr.in
Marisa Koini

Universitätsklinik für Neurologie
Medizinische Universität Graz

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