Prävention und Screening bei Herzinsuffizienz

Forschung Healthy-Aging

Früher erkennen, besser verhindern

#HealthyAging - gesund älter werden

3D-Darstellung eines menschlichen Herzens in Blau und Rot 3D-Darstellung eines menschlichen Herzens in Blau und Rot © Tetiana – stock.adobe.com – generiert mit KI

Neue Medikamente und Therapiekonzepte wecken berechtigte Hoffnung. Sie können Symptome lindern und wertvolle Lebensjahre schenken. Noch besser wäre es jedoch, wenn es gar nicht erst so weit kommen müsste. Erfreulicherweise gewinnt die Prävention zunehmend an Bedeutung, gerade weil die Herzinsuffizienz so eng mit metabolischen Risikofaktoren verflochten ist. In der Versorgungspraxis wurde dieser Gedanke bislang jedoch nur unzureichend gelebt. Noch immer fällt ein Großteil der Erstdiagnosen, etwa 60 bis 80 Prozent, erst im Krankenhaus. Viele Betroffene kommen zum ersten Mal im Zuge einer akuten Dekompensation, häufig schon in einem fortgeschrittenen symptomatischen Stadium und nicht selten über die Notaufnahme.

Fokus auf Früherkennung

Unser therapeutisches Handeln ist dadurch überwiegend sekundärpräventiv ausgerichtet. Wir behandeln die bereits bestehende Herzinsuffizienz, optimieren Therapie und Verlauf, greifen aber nur selten früh in das Krankheitsgeschehen ein. Eine strukturierte Früherkennung, wie sie etwa in der Onkologie längst etabliert ist, fehlt bislang. Dabei wären die Voraussetzungen gegeben. Die Herzinsuffizienz ist aufgrund der hohen Prävalenz, Hospitalisierungsrate und Mortalität eines der größten Gesundheitsprobleme des 21. Jahrhunderts und verursacht immense Kosten für das Gesundheitssystem. Mit Biomarkern wie dem NT proBNP stehen zudem grundsätzlich geeignete Screeningtools zur Verfügung. Des Weiteren gibt es starke Evidenz, dass eine frühzeitige Intervention, noch bevor sich eine symptomatische Herzinsuffizienz zeigt, den weiteren Verlauf günstig beeinflusst. 

Entscheidend ist, dass ein solches Screening in eine klare Versorgungsstruktur eingebettet wird. Es braucht definierte Abläufe, verlässliche Überweisungswege und funktionierende Schnittstellen zwischen Primärversorgung und spezialisierten Zentren. International zeichnet sich dieser Weg bereits ab. Fachgesellschaften rücken Screening und Primärprävention immer stärker in den Mittelpunkt, um die Herzinsuffizienz früher zu erkennen und schon im Vorfeld beeinflussen zu können. Zusätzlich heben Disease-Management-Programme für Herzinsuffizienz, wie HerzMobil Steiermark, die Versorgungsqualität auf ein deutlich höheres Niveau, weil sie die Prognose der Betroffenen verbessern und wiederholte Krankenhausaufenthalte reduzieren, indem sie Patient*innen unmittelbar nach dem Klinikaufenthalt engmaschig telemedizinisch begleiten und die Versorgung zwischen Spital, niedergelassenen Ärzt*innen und spezialisierten Pflegekräften nahtlos verzahnen.

Tipps von Markus Wallner, Klinische Abteilung für Kardiologie der Med Uni Graz, wie ich meinem Herzen etwas Gutes tun kann

Wer sein Herz lange und umfassend fit halten will, kann dies auf vielfältige Art und Weise bewerkstelligen. Von der Ernährung über Sport bis hin zum Abschwören auf ungesunde Gewohnheiten: Das Herz dankt uns für jede Verbesserung.

Regelmäßige Bewegung

Sport, vor allem Ausdauersport, ist Balsam für das Herz. Im Idealfall trainiert man zumindest 30 Minuten an fünf Tagen in der Woche, also insgesamt 150 Minuten pro Woche. Die Optionen sind hierbei vielfältig: Laufen, Schwimmen oder Radfahren sind die Klassiker, aber auch Alternativen wie Tanzen oder im Winter Skilanglauf sind eine Wohltat fürs Herz. Etwas Kraftsport unterstützend zu den Cardio-Einheiten ist ebenfalls zu empfehlen. Aber Achtung: Im fortgeschrittenen Alter oder nach langer Trainingspause sollte man die Intensität anpassen, um sich nicht übermäßig zu strapazieren.

Gesunde Ernährung

Eine ausgewogene und gesunde Ernährung hat eine Vielzahl von Vorteilen für das Herz-Kreislauf-System. Entzündungsprozesse werden verringert, Cholesterinwerte und Blutdruck sinken und die Gefäße bleiben geschmeidig. Die Ernährung sollte möglichst ballaststoffreich sein, viel Obst und Gemüse beinhalten, auf Hülsenfrüchte und Fisch als Proteinquelle zurückgreifen und Salz in eher geringen Dosen verwenden.

Übergewicht vermeiden

Wer sich die ersten beiden Tipps zu Herzen nimmt, ist schon auf einem guten Weg, um unseren dritten Hinweis für ein gesünderes Herz zu befolgen. Übergewicht ist einer der wichtigsten Faktoren für erhöhten Blutdruck, der Gefäße und Organe im Laufe der Zeit still und lange unbemerkt dauerhaft beschädigen kann.

Stress vermeiden

Hin und wieder lässt sich Stress nicht vermeiden, allerdings sollte er nicht zum steten Begleiter werden. Wenn wir im Stress sind – egal aus welchem Grund –, schüttet unser Körper Stresshormone aus. Diese Hormone sorgen dafür, dass der Blutdruck steigt, das Herz schneller schlägt und der gesamte Organismus sich auf eine Notsituation vorbereitet. So sind wir kurzzeitig leistungsfähiger, auf Dauer schadet das ständige „Unter-Strom-Stehen“ allerdings. Wer dem Stress nicht entfliehen kann, sollte zumindest regelmäßige Ruhe- und Entspannungsphasen einplanen, um den Körper zu entlasten.

Ausreichend Schlaf

Das Herz schlägt natürlich auch im Schlaf unermüdlich weiter, allerdings ist die Zeit, die wir im Reich der Träume verbringen, ein wichtiger Erholungsfaktor für den gesamten Körper: Stoffwechselprozesse werden reguliert, der Blutdruck sinkt und Reparaturprozesse in unseren Zellen werden angestoßen. 

Werte im Blick halten

Um im Falle von Problemen rechtzeitig eingreifen zu können, ist es wichtig, ein paar essenzielle Werte regelmäßig zu überprüfen. Blutdruck, der Cholesterinspiegel und Blutzuckerwerte sind Parameter, die für die Herzgesundheit von größter Wichtigkeit sind. Vor allem wenn familiäre Vorbelastungen vorhanden sind oder gewisse Erkrankungen schon bestehen (wie Bluthochdruck oder Diabetes), sollten diese Werte immer im Fokus bleiben.

Laster loswerden

Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum sind Killer für Herzen. Vor allem das Rauchen schädigt die Gefäße massiv und der Rauchstopp kann so – bei Raucher*innen – zur effektivsten Maßnahme zum Schutz des Herzens werden. Auch auf Alkohol sollte wegen seiner Folgen (Gewichtszunahme, Übergewicht, Bluthochdruck) eher verzichtet werden. 

 

Kontakt

Markus Wallner

Research Prof. Priv.-Doz. DDr.
Markus Wallner

Klinische Abteilung für Kardiologie
Medizinische Universität Graz

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