Hands-On-Tranining für die Schlaganfallvorsorge
Wie kann man die Lehre und Ausbildung von Medizinstudierenden verbessern? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Medizinische Universität Graz ständig. Motivierte Teams im Bereich Studium und Lehre arbeiten an Wegen, wie man die Ausbildung der jungen Mediziner*innen fördern und modernisieren kann. Eines dieser Teams konnte kürzlich mit einer Publikation im Journal „BMC Medical Education“, einem der renommiertesten Journals in diesem Bereich, aufzeigen. Die Mitarbeiter*innen der Universitätsklinik für Neurologie rund um Julian Elbischger und Markus Kneihsl haben mit einem Kurs für die neurovaskuläre Ultraschalluntersuchung ein innovatives und erfolgreiches Lehrprojekt abgeschlossen und die Möglichkeiten in diesem Bereich aufgezeigt.
Wichtiges Mittel zur Schlaganfallvorsorge und -diagnostik
Knapp ein Drittel aller Schlaganfälle ist durch Verschlussprozesse der großen hirnzuführenden Gefäße (zum Beispiel Halsschlagader) bedingt. Die neurovaskuläre Ultraschalluntersuchung ist ein wichtiges Tool, um Gefäßwandablagerungen (sogenannte Plaques) als Schlaganfallursache rasch zu erkennen oder frühzeitig im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen zu identifizieren. Die Untersuchung ist nicht-invasiv, kann schnell Rückschlüsse auf mögliche Probleme bei der Durchblutung des Gehirns liefern und stellt ein wichtiges Werkzeug für Ärzt*innen diverser medizinischer Fachdisziplinen dar (unter anderem Neurologie, innere Medizin, Radiologie, Gefäßchirurgie).
Praktische Übung als Erfolgsstrategie
Für die Studie wurden 51 Studierende in verschiedenen Phasen des Studiums herangezogen, die einen praxisorientierten und standardisierten Kurs absolviert haben. Der Fokus lag dabei auf der Arbeit in Kleingruppen und Hands-on-Training, damit die Inhalte den Studierenden möglichst direkt vermittelt werden können.
Vor dem Start des Kurses absolvierten alle Teilnehmer*innen eine theoretische Prüfung gefolgt von einer theoretischen Einführung in das Thema neurovaskulärer Ultraschall. Darauf folgten insgesamt fünf Trainingssessions und eine praktische Prüfung, die die Fähigkeit der eigenständigen Durchführung einer orientierenden neurosonographischen Untersuchung testete. „Strukturierte und ressourceneffiziente Lehrkonzepte ermöglichen praxisorientierte Ultraschallausbildung auf hohem Niveau. Hands-on-Training in Kleingruppen führt dabei rasch zu messbaren praktischen Fertigkeiten“, so Erstautor Julian Elbischger.
Gelungene Premiere
Für die Studierenden hat sich die Teilnahme am Kurs gelohnt. 86 % der Studierenden haben ein Prüfungsergebnis von über 70 % erreicht. Besonders bemerkenswert war, dass die Ergebnisse unabhängig von der vorhergehenden Ultraschallerfahrung der Studierenden waren, was für die Qualität der Kursstruktur spricht. „Die Ergebnisse unterstützen den Ansatz der Medizinischen Universität Graz, praxisorientierte Lehre zu stärken, um die Patient*innenversorgung nachhaltig zu verbessern“, fasst Markus Kneihsl zusammen. Langfristig gesehen kann die Ausbildung dazu beitragen, die Qualität der Schlaganfallvorsorge und -diagnostik zu verbessern.
Weitere Informationen und Kontakt
Medizinische Universität Graz
Universitätsklinik für Neurologie