Gesund altern beginnt im Inneren

Forschung Healthy-Aging

Mit der Labormedizin dem Altern auf der Spur.

Labormedizin Labormedizin Labormedizin - © Saqlain - Adobestock.com - generiert mit KI

Aussagen wie „50 ist das neue 30“ sind Teil unseres Alltags geworden und verdeutlichen, dass sich 50-Jährige heute oft so aktiv fühlen, wie früher Generationen um die 30. Andererseits sind auch viele Menschen mittleren Alters seit Jahren mit gesundheitlichen Einschränkungen konfrontiert. Die Altersforschung ist diesem „Ungleichgewicht“, einem Ergebnis fein abgestimmter biologischer Prozesse, auf der Spur und liefert Erkenntnisse für gesundes Altern, die sich oft mit wenig Aufwand in den Alltag integrieren lassen. An der Medizinischen Universität Graz sind viele Disziplinen in diesem wissenschaftlichen Feld tätig, so auch die Labormedizin, die nicht nur als diagnostisches Werkzeug, sondern auch als Forschungsdisziplin die Grundlage für eine neue und noch präzisere Medizin bildet.

Altern hinterlässt Spuren, lange bevor wir sie bemerken

Altern beginnt nicht plötzlich. Vielmehr verändernsich über viele Jahre hinweg zahlreiche Prozesse im Körper. Stoffwechsel, Hormonhaushalt und Immunsystem passen sich meist unbemerkt an. Diese Veränderungen beeinflussen unter anderem die Gesundheit von Knochen und Muskeln und tragen dazu bei, dass Menschen unterschiedlich altern. Die Herausforderung der modernen Medizin besteht darin, diese Entwicklungen besser zu verstehen. Genau hier setzt die Labormedizin an. Mithilfe immer präziserer Untersuchungsmethoden lassen sich biologische Veränderungen sichtbar machen und Zusammenhänge erkennen, die lange verborgen geblieben sind.

„Die Labormedizin befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Internationale Zusammenarbeit und neue Technologien sind entscheidend, um biologische Zusammenhänge besser zu verstehen und innovative diagnostische Verfahren rasch in die Patient*innenversorgung zu überführen“, erklären Markus Herrmann und Harald Mangge vom Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik der Med Uni Graz.

Gallensäuren: mehr als nur Verdauungshelfer

Beim Altern spielen Gallensäuren eine nicht zu unterschätzende Rolle. Man kennt Gallensäuren vor allem als Helfer bei der Fettverdauung. Dass sie darüber hinaus wie Botenstoffe wirken und zahlreiche Stoffwechselvorgänge beeinflussen, ist eine vergleichsweise junge Erkenntnis. Genau diese Zusammenhänge untersucht die Arbeitsgruppe von Nerea Alonso an der Med Uni Graz gemeinsam mit internationalen Partner*innen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle Gallensäuren beim altersbedingten Verlust von Knochen- und Muskelmasse spielen. Denn gerade diese Veränderungen zählen zu den häufigsten Ursachen dafür, dass Mobilität und Lebensqualität im Alter abnehmen. Im „Bile Acid Network Graz“ (BANG) arbeiten Wissenschafter*innen unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen. Ziel ist es, die komplexen Wechselwirkungen des Stoffwechsels besser zu verstehen und neue Ansatzpunkte für Prävention und Therapie zu finden.

Knochen sind lebendiges Gewebe

Was viele nicht wissen: Knochen sind kein starres Gerüst. Sie befinden sich ein Leben lang im Umbau. Ständig wird Knochensubstanz auf- und abgebaut. Gerät dieses fein abgestimmte Gleichgewicht aus der Balance, können Erkrankungen entstehen. Gemeinsam mit internationalen Partner*innen arbeiten Forscher*innen der Med Uni Graz daran, diese Prozesse genauer zu entschlüsseln. Besonders bei chronischen Erkrankungen sollen neue Untersuchungsmethoden helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Therapien künftig noch gezielter auf einzelne Patient*innen abzustimmen. „Die Kombination komplementärer Technologien und die enge Zusammenarbeit mit führenden internationalen Zentren ermöglichen es uns, komplexe Stoffwechselprozesse mit hoher Präzision zu untersuchen“, sagt Markus Herrmann.

Vitamin D und Vitamin K: ein eingespieltes Team

Dass Vitamin D für Knochen, Muskeln und das Immunsystem wichtig ist, ist allgemein bekannt. Weniger im Bewusstsein vieler Menschen ist hingegen die Rolle von Vitamin K2. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass beide Vitamine eng zusammenwirken und sich in ihrer Funktion ergänzen. Während Vitamin D unter anderem die Aufnahme von Kalzium unterstützt, übernimmt Vitamin K wichtige Aufgaben bei dessen Einbau in die Knochen. Auch für die Gesundheit der Blutgefäße scheint dieses Zusammenspiel von Bedeutung zu sein. Gerade solche Wechselwirkungen zeigen, wie komplex gesundes Altern tatsächlich ist. Einzelne Faktoren wirken selten für sich allein, entscheidend ist das Zusammenspiel zahlreicher biologischer Prozesse.

Kein Jungbrunnen, sondern ein komplexes System

Die Suche nach dem Geheimnis gesunden Alterns beschäftigt die Wissenschaft seit Jahrzehnten. Einen einzelnen „Jungbrunnen“ hat sie dabei nicht gefunden. Stattdessen wird das Wissen um das Zusammenwirken vieler Faktoren immer größer. Stoffwechselprozesse, Mikronährstoffe, Bewegung, Ernährung, Schlaf und psychosoziale Einflüsse greifen ineinander und beeinflussen sich gegenseitig. Genau dieses Zusammenspiel steht im Zentrum der Forschung an der Med Uni Graz. Ziel ist es, die biologischen Grundlagen des Alterns immer besser zu verstehen und daraus neue Möglichkeiten für Prävention und personalisierte Medizin abzuleiten. Die Suche nach den Ursachen gesunden Alterns führt die Forschung dabei immer tiefer in die Welt der Moleküle und Stoffwechselwege. Die Antworten, die sie dort findet, beginnen jedoch häufig mit erstaunlich einfachen Dingen: regelmäßiger Bewegung, ausreichend Schlaf, einer ausgewogenen Ernährung und dem Wert sozialer Beziehungen. Vielleicht ist „50 ist das neue 30“ also weniger ein Versprechen ewiger Jugend als vielmehr Ausdruck eines besseren Verständnisses dafür, was Menschen dabei unterstützt, möglichst lange gesund, aktiv und selbstbestimmt zu leben.

Tipps für ein gesundes Altern

Gesundes Altern entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren. Die wissenschaftliche Evidenz weist immer wieder auf einige Bereiche hin, die jede*r selbst mitgestalten kann.

In Bewegung bleiben
Regelmäßige körperliche Aktivität zählt zu den wichtigsten Schutzfaktoren für Gesundheit im Alter. Schon häufiges Gehen, Treppensteigen oder kurze Bewegungseinheiten im Alltag wirken sich positiv auf Muskulatur, Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System aus.

Gut schlafen
Während des Schlafs laufen wichtige Regenerationsprozesse ab. Regelmäßige Schlafenszeiten und eine ruhige Umgebung unterstützen die Erholung des Körpers.

Vielfältig essen
Eine ausgewogene, überwiegend pflanzenbetonte Ernährung wird in zahlreichen Studien mit positiven Gesundheitseffekten in Verbindung gebracht. Dazu gehören viel Gemüse und Obst, ballaststoffreiche Vollkornprodukte, möglichst wenig stark verarbeitete Lebensmittel sowie fermentierte Produkte wie Naturjoghurt, Kefir, Sauerkraut oder Kimchi.

Ausreichend trinken
Wasser spielt bei nahezu allen Stoffwechselvorgängen eine wichtige Rolle. Eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr unterstützt den Körper dabei, seine Funktionen aufrechtzuerhalten.

Soziale Kontakte pflegen
Nicht nur körperliche, auch psychosoziale Faktoren beeinflussen die Gesundheit im Alter. Stabile Beziehungen, ein empfundener Lebenssinn und ein bewusster Umgang mit Stress werden in zahlreichen Studien mit gesundem Altern in Verbindung gebracht.

Diese Faktoren wirken nicht getrennt voneinander, sondern beeinflussen sich gegenseitig. Genau diese Vernetzung steht heute im Mittelpunkt der Healthy-Aging-Forschung.

Weitere Informationen

Harald Mangge

Univ.-Prof., Dr.med.univ.
Harald Mangge

Klinisches Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik
Medizinische Universität Graz

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