Gerichtsmedizinische Expertise kommt per Telemedizin direkt zu Gewaltbetroffenen
Die Medizinische Universität Graz setzt mit der Entwicklung von Forensic PETRA (Forensic Portable Equipment Tower for Remote Assistance) einen neuen Meilenstein in der telemedizinischen Versorgung von Gewaltbetroffenen. Mit Unterstützung des Sozialressorts des Landes Steiermark, das das Projekt und die Fortsetzung mit insgesamt rund 640.000 Euro fördert, wurde ein mobiles System entwickelt, das gerichtsmedizinische Expertise ortsunabhängig verfügbar macht und so die Versorgung Betroffener sowie die gerichtsfeste Beweissicherung wesentlich verbessert.
Forensic PETRA: innovative Telemedizin für Versorgung und Beweissicherung
Gewalterfahrungen bedeuten für Betroffene oft erhebliche körperliche und psychische Belastungen. Umso wichtiger ist es, medizinische Versorgung, sensible Betreuung und die Sicherung gerichtsverwertbarer Beweise rasch und an einem Ort zu ermöglichen. Genau hier setzt die telemedizinische Lösung Forensic PETRA an. Sie bringt gerichtsmedizinische Expertise direkt dorthin, wo sie benötigt wird, und ermöglicht damit eine umfassende Versorgung und gerichtsfeste Dokumentation ohne zusätzliche Wege oder Verzögerungen.
Forensic PETRA ist ein mobiler Untersuchungswagen, der alle technischen Komponenten für Untersuchung, Kommunikation und Dokumentation in einem autarken System vereint. „Ärzt*innen vor Ort, beispielsweise in Klinikambulanzen, können damit unmittelbar handeln und gleichzeitig auf die Expertise der Gerichtsmediziner*innen der Med Uni Graz zugreifen“, erklärt Sarah Heinze, Leiterin des Diagnostik- und Forschungsinstituts für Gerichtliche Medizin der Med Uni Graz. Über eine sichere audiovisuelle Verbindung begleiten die Spezialist*innen die Untersuchung in Echtzeit und ergänzen die digitale Dokumentation direkt.
Die eigens entwickelte Software ermöglicht eine lückenlose Erfassung aller Untersuchungsergebnisse, fotografischen Dokumentationen und Asservate. Sämtliche Daten werden verschlüsselt an die Med Uni Graz übertragen und in das Fallverwaltungssystem der Gewaltambulanz integriert. Dadurch können Befunde vollständig dokumentiert und gerichtsverwertbar gesichert werden. Auch nachträglich eintreffende Laborergebnisse lassen sich in die digitale Fallakte aufnehmen. Höchste Standards in Datenschutz und Datensicherheit werden dabei konsequent eingehalten.
Für Betroffene bedeutet dieses telemedizinische Setting vor allem rasche und sensible Unterstützung in einer belastenden Situation. Die gerichtsmedizinische Expertise ist unmittelbar verfügbar, ohne zusätzliche Ortswechsel oder organisatorische Hürden. Gleichzeitig bleibt die persönliche Betreuung gewährleistet, da die Patient*innen mit den zugeschalteten Gerichtsmediziner*innen direkt kommunizieren können.
Innovation und Kooperation für besseren Gewaltschutz
„Mit Forensic PETRA ist es gelungen, gerichtsmedizinische Expertise unabhängig vom Standort verfügbar zu machen und zugleich höchste Standards in Dokumentation, Qualität und Datenschutz sicherzustellen. Diese telemedizinische Innovation eröffnet neue Möglichkeiten in der Versorgung von Gewaltbetroffenen und stellt einen wesentlichen Fortschritt in der gerichtsfesten Beweissicherung dar“, betont Sarah Heinze.
Auch für Rektorin Andrea Kurz zeigt das Projekt die Innovationskraft der Med Uni Graz: „Forensic PETRA ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie an der Med Uni Graz innovative Forschung und digitale Entwicklung in konkrete Lösungen mit hohem gesellschaftlichem Nutzen überführt werden. Die Verbindung aus medizinischer Exzellenz, technologischem Fortschritt und Verantwortung für Betroffene steht beispielhaft für unseren Anspruch.“
Die Entwicklung erfolgte in enger Kooperation mit dem Land Steiermark, das den Ausbau moderner Unterstützungsangebote für Gewaltbetroffene gezielt vorantreibt. „Diese innovative Entwicklung ist ein echtes Vorzeigeprojekt für den modernen Opferschutz. Sie ermöglicht es, gerichtsmedizinische Expertise flächendeckend und unmittelbar verfügbar zu machen. Gewaltbetroffene erhalten damit Versorgung und Beweissicherung auf höchstem fachlichem Niveau – und das an einem Ort. Spuren können korrekt und gerichtsverwertbar gesichert werden. Gleichzeitig erfolgt die Betreuung in einem Setting, das die Belastung für die Betroffenen so gering wie möglich hält. Diese moderne Technologie bringt spürbare Verbesserungen im steirischen Gewaltschutz. Mein Dank gilt allen, die an der Umsetzung dieses richtungsweisenden Projekts mitgewirkt haben“, so Hannes Amesbauer, Soziallandesrat des Landes Steiermark.
Mit Forensic PETRA unterstreichen die Med Uni Graz und das Land Steiermark ihre Vorreiterrolle bei innovativen telemedizinischen Lösungen im Gewaltschutz. Das System schafft die Grundlage dafür, gerichtsmedizinische Kompetenz flexibel und sicher bereitzustellen, und setzt damit einen wichtigen Impuls für die Weiterentwicklung des Gewaltschutzes.
Weitere Informationen
Diagnostik- & Forschungsinstitut für Gerichtliche Medizin
Medizinische Universität Graz