Was unser Herz lange fit und gesund hält

Forschung Healthy-Aging

Ein Gespräch mit Herzspezialist Andreas Zirlik.

HealthyAging - gesund älter werden.

Eine herzförmige Schüssel gefüllt mit gesunden Lebensmitteln. Ein Stethoskop und Hanteln sind links und rechts davon zu sehen. Eine herzförmige Schüssel gefüllt mit gesunden Lebensmitteln. Ein Stethoskop und Hanteln sind links und rechts davon zu sehen. Die Faktoren für bessere Herzgesundheit - © stock.adobe.com - New Africa

Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln sich über Jahre unbemerkt. Besonders Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Übergewicht und Rauchen belasten das Herz langfristig. Kardiologe Andreas Zirlik betont im Hörgang-Podcast von Springer Medizin und Med Uni Graz, dass Prävention der beste Schutz ist.

Herr Prof. Zirlik, wie steht es ganz allgemein um die Herzgesundheit der Menschen heutzutage?

Grundsätzlich gibt es zwei Dinge, die man sich vor Augen halten muss. Einerseits werden die Menschen heute älter als je zuvor. Einen Anteil daran hat sicherlich auch die Herzmedizin, die sich im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte enorm weiterentwickelt hat. Wir erkennen heute Krankheiten wesentlich früher und können diese dadurch schneller und besser therapieren. Andererseits hinterlässt unser westlicher Lebensstil über die Zeit Spuren. Insbesondere problematisch sind die zunehmende Zahl an Personen mit Übergewicht oder Diabetes, was zu Verengungen der Herzkranzarterien und in Folge zu Herzerkrankungen führt. Da könnte man noch viel besser vorbeugen, als wir es derzeit tun.

Welche Faktoren setzen unserem Herzen am meisten zu?

Vor allem Übergewicht und Diabetes, die nicht getrennt voneinander betrachtet werden können. Ein weiterer Faktor, der häufig völlig unbemerkt bleibt, aber nach Jahren der Erkrankung wirklich sehr deutliche Auswirkungen auf die Herzgesundheit hat, ist der hohe Blutdruck – die arterielle Hypertonie. Das ist für mich deshalb so ein wesentlicher Faktor, weil sie wie gesagt über so viele Jahre völlig unbemerkt bleibt. Weitere Faktoren sind die oft zu hohen Fettwerte und der Nikotinkonsum. Dazu zählt nicht nur die klassische Zigarette, sondern auch das Vaping.

Was kann man nun präventiv unternehmen, um Herzerkrankungen vorzubeugen?

Vor allem einmal Bewegung und Sport. Das macht sowieso in jedem Alter und in jeder gesundheitlichen Situation Sinn. Auch Menschen, die bereits erkrankt sind, haben bei regelmäßigem, proportionalem oder angepasstem Training eine bessere Prognose. Egal ob gesund, krank, ob jung oder alt – ich empfehle meinen Patient*innen immer, dass sie das tun sollten, wobei sie sich wohlfühlen. Also kein Zwangstraining durchführen, das einem selbst keine Freude bereitet. Es geht auch nicht direkt um Leistungssport, aber es geht schon darum, das Herz zu fordern, sodass die Pulsfrequenz im Blutdruck messbar ansteigt. Dann haben wir den besten Trainingseffekt. 4 bis 6 mal 30 Minuten die Woche sportliche Betätigung – das ist etwas, was sicherlich sehr positiv einzuschätzen ist. Dazu kommt natürlich der Verzicht auf jegliche Form von Nikotin und Alkohol sollte nur in gemäßigter Dosis konsumiert werden.

Welche Rolle spielen digitale Devices in der modernen Kardiologie?

Ganz klar eine immer größere. Ob es nun Smart Watches sind oder wirklich medizinische Devices wie Schrittmacher – Geräte, die zusätzlich Informationen aufzeichnen, gewinnen immer mehr an Bedeutung. Sie sind zum Beispiel für die Diagnose von Vorhofflimmern, einer der häufigsten Herzrhythmusstörungen, enorm wichtig. Einerseits erleichtern uns diese Technologien die Arbeit, andererseits möchte ich auch ein wenig davor warnen, sich nur auf diese Parameter zu fixieren.

Welche Möglichkeiten bietet die Kardiologie heute in Bezug auf frühzeitige Diagnostik an?

Erstens: Wir haben zum einen natürlich Möglichkeiten über Labordiagnostik, über gewisse Biomarker. Diese können wir sehr gut – auch personalisiert – also auf das jeweilige Individuum oder die Patientin*den Patienten bezogen – einschätzen. Wir haben mittlerweile Zugang zu sehr modernen, nicht invasiven Bildgebungsmethoden. Früher haben wir häufig eine Herzkatheter-Untersuchung benötigt. Heute können wir eben mit solchen nicht invasiven Methoden viele Fragestellungen in der Diagnostik beantworten. Beispielsweise mit der Computertomographie oder auch der Magnetresonanztomographie, wenn es um die Muskulatur des Herzens geht.

Zweitens: Wir haben eine ganze Reihe von wirklich minimalinvasiven Techniken zur Verfügung, um auch entsprechende Erkrankungen zu behandeln. So kann man beispielsweise bei der Verengung der Herzkranzarterien heute elegant und mit verschiedensten Methoden über eine Herzkatheter-Untersuchung helfen. Hier kann man aufdehnen, teilweise mit Stent versorgen, aber auch mit unterschiedlichen anderen Methoden nachbearbeiten. Wir verzeichnen in den letzten 20 Jahren eine sehr rege Entwicklung. Bei Klappenerkrankungen vor allem im höheren Alter, wo eine große Operation doch häufig ein gewisses Risiko darstellt, können wir jetzt über minimalinvasive, katheterbasierte Techniken mit Zugang über die Arterie an der Hand oder in der Leiste arbeiten. Da hat sich wirklich ungeheuer viel getan.

Welche drei Dinge würden Sie uns für ein gesundes Herz bis ins hohe Alter raten?

Erstens: Übergewicht vermeiden.
Zweitens: eine ausgewogene, balancierte Ernährung, verbunden mit einer regelmäßigen körperlichen Aktivität.
Und schlussendlich: regelmäßig, und das heißt mindestens alle fünf Jahre, eine Gesundenuntersuchung durchführen lassen.

Das gesamte Interview als Hörgang-Podcast

Weitere Informationen

Andreas Zirlik

Univ.-Prof., Dr.med.
Andreas Zirlik

Klinische Abteilung für Kardiologie
Medizinische Universität Graz

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