Mikroben schürfen Metalle im All effizienter
Das fand ein Forschungsteam an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) heraus. Relevant ist die Erkenntnis für einen möglichen Rohstoffabbau im Weltall in der Zukunft. Bakterien und Pilze können bestimmte Elemente aus Gestein gewinnen, in dem sie diese verstoffwechseln und damit wasserlöslich machen. Dieses sogenannte „Bioleaching“ gilt als ökologische Alternative zu herkömmlichen, chemischen Verfahren. Ein internationales Forschungsteam geleitet von der Cornell University und der University of Edinburgh hat nun untersucht, ob Bioleaching auch im Weltall funktioniert. Die Ergebnisse des bereits 2021 durchgeführten Experiments wurden nun im Fachjournal „npj Microgravity“ veröffentlicht.
Im Versuchsaufbau „fütterte“ das Team eine Mischung aus Bakterien und Pilzen mit Meteoritengestein. Das Experiment fand jeweils sowohl an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) als auch im Labor auf der Erde statt. Die Mikroorganismen sollten konkret Palladium und Ruthenium, seltene, für die Herstellung von Katalysatoren benötigte Metalle, extrahieren.
Verdauung im All effizienter
Es zeigte sich, dass die Mikroorganismen damit auf der ISS erfolgreicher waren als im Laborexperiment auf der Erde. „Die herausgelöste Metallkonzentration auf der Internationalen Raumstation war größer als die Konzentration, die wir auf der Erde erhalten haben“, sagt der an dem Forschungsprojekt beteiligte Forscher Giovanny Rodriguez Blanco, der inzwischen an der MedUni Graz arbeitet. Das bedeutet, dass Mikroben unter Schwerelosigkeit besser performten als bei Schwerkraft, wie er gegenüber ORF Wissen erklärt.
„Wir wissen noch kaum etwas über die Mechanismen, die mikrobielles Verhalten im Weltall beeinflussen“, sagt die Studien-Erstautorin Rosa Santomartino. Warum Mikroorganismen die getesteten Elemente im Weltall besser lösen konnten, als auf der Erde sei noch ein Rätsel.
Die interdisziplinäre Forschungsgruppe untersucht bereits seit vielen Jahren den Einfluss von Schwerelosigkeit auf Mikroorganismen. Schon 2020 konnte die Gruppe zeigen, dass bestimmte Bakterienstämme Seltenerdmetalle unter Schwerelosigkeit grundsätzlich verstoffwechseln können.
Neue Verdauungsprodukte und Bergbauträume
Rodriguez Blanco, der die Proben nach der Rückkehr aus dem All im Labor analysierte, entdeckte auch, dass die Mikroorganismen während ihres Ausflugs in die Schwerelosigkeit andere Stoffwechselzwischenprodukte (Metaboliten) erzeugten als unter Schwerkraft. Der Grazer Forscher glaubt, dass die im All entstandenen Metaboliten bestimmte Eigenschaften aufweisen könnten, die für die Entwicklung neuer Antibiotika eine Rolle spielen könnten. Weitere Forschung sei jedoch notwendig, betont Rodriguez Blanco.
Auch für einen irgendwann womöglich wirtschaftlich und wissenschaftlich durchführbaren Bergbau im All könnte die Erkenntnis eine Rolle spielen, nehmen die Forschenden an. So könnten bestimmte Elemente künftig mithilfe von Mikroorganismen direkt im Weltraum aus Asteroiden gewonnen werden.
Textnachweis: science.orf.at vom 26. Februar 2026