Med3DPresenter: wenn aus Fläche Raum wird

Studium

Ein innovatives Lehrprojekt aus der Neurochirurgie wurde ausgezeichnet.

Ein computergeneriertes, transparantes 3D-Modell eines Gehirns schwebt über einem glasähnlichen Untergrund vor Schwarzem Hintergrund. Ein computergeneriertes, transparantes 3D-Modell eines Gehirns schwebt über einem glasähnlichen Untergrund vor Schwarzem Hintergrund. Ein 3D-Modell eines Gehrins - © spigus - stock.adobe.com

Die Vermittlung anatomischer Inhalte gehört zu den Grundpfeilern des Medizinstudiums. Doch während Lehrbücher, Folien und Schnittbilder meist zweidimensional bleiben, ist die klinische Realität dreidimensional. Genau hier setzt ein ausgezeichnetes Lehrprojekt an der Medizinischen Universität Graz an: der Med3DPresenter. 

Seit 2023 schreibt die Med Uni Graz jährlich eine Sonderdotation von insgesamt 50.000 Euro zur Qualitätssteigerung in der Lehre aus. Prämiert werden jeweils die drei besten Einreichungen. Eines der ausgezeichneten Projekte ist der Med3DPresenter. Die Idee zu dieser Lehrplattform sowie ihre mehrmonatige konzeptionelle und technische Entwicklung stammen von Stefan Wolfsberger von der Universitätsklinik für Neurochirurgie Graz. 

Vom zweidimensionalen Bild zum dreidimensionalen Verständnis 

Ausgangspunkt war eine zentrale Frage: Wie lassen sich komplexe chirurgische Lehrinhalte so vermitteln, dass sie dem Arbeiten im Operationssaal möglichst nahekommen? Gerade in der Neurochirurgie ist räumliches Denken entscheidend. „Präzision ist eine Frage des Sehens in der dritten Dimension. Tiefe zu erkennen, bedeutet, Millimeterentscheidungen sicher treffen zu können“, betont Stefan Wolfsberger. Anatomische Strukturen sind funktionell hochsensibel und oft nur über mikrochirurgische Zugänge erreichbar. Ein verlässliches dreidimensionales Verständnis ist daher essenziell.

Der Med3DPresenter wurde ursprünglich für die Neuroanatomie entwickelt. Die Software ermöglicht die stereoskopische Darstellung anatomischer Modelle und Fotos sowie klinischer Bilddaten wie MRT- und CT-Aufnahmen und OP-Videos. Strukturen können in Echtzeit gedreht, vergrößert und in ihrem funktionellen Zusammenhang analysiert werden. Klassische zweidimensionale Lehrmaterialien lassen sich integrieren und mit dreidimensionalen Inhalten verknüpfen. 

Im großen Hörsaal der Anatomie werden die Inhalte auf einer 7,3 × 4,1 Meter großen LED-Wall für bis zu 500 Studierende gleichzeitig sichtbar. Entscheidend ist jedoch weniger die technische Dimension als der didaktische Mehrwert: Der unmittelbare Bezug zwischen Struktur, Funktion und klinischer Fragestellung wird nachvollziehbar. Ein pathologischer Befund erscheint nicht nur als Markierung im Schnittbild, sondern als räumlich eingebettetes Geschehen in Beziehung zu Gefäßen, Nervenbahnen und funktionellen Zentren. „Mit dem Med3DPresenter ermöglichen wir den Studierenden eine interaktive 3D-Lehre, die die Brücke zwischen anatomischem Wissen und mikrochirurgischer Exzellenz darstellt“, beschreibt Stefan Wolfsberger. 

Obwohl aus der Neurochirurgie heraus entwickelt, ist die Plattform auch für andere Disziplinen adaptierbar, vorausgesetzt, entsprechende dreidimensionale Datensätze stehen zur Verfügung. Lernen wird so zu einem aktiven Prozess, der räumliche Orientierung, klinisches Denken und letztlich die Qualität der medizinischen Ausbildung nachhaltig stärkt.