Hypotonie bei Hämodialyse als kardiovaskulärer Risikofaktor

Forschung Gesundheitsforschung

Forscher*innen der Med Uni Graz beschäftigen sich mit Bluthochdruck bei der Dialyse.

Zwei Hände halten ein Modell von Nieren. Zwei Hände halten ein Modell von Nieren. © stock.adobe.com - SewscreamStudio

Intradialytische Hypotension ist vergesellschaftet mit erhöhter Morbidität und Mortalität. Weiters besteht ein Zusammenhang zwischen intradialytischer Hypotension und „myocardial stunning“ sowie zerebraler Ischämie. Dies führt wiederum zu vermehrter zerebraler Schädigung, gastrointestinaler Ischämie und Thrombose von arteriovenösen Shunts. Ein umfassendes Verständnis der pathophysiologischen Vorgänge, welche die intradialytische Hypotension beeinflussen oder sogar auslösen können kann daher sowohl die Mortalität als auch die Morbidität von Dialysepatient*nnen wesentlich beeinflussen.

Die Entstehung von intradialytischer Hypotension

Die intradialytische Hypotension tritt in 20% der Dialysesitzungen auf und wird definiert als eine Reduktion des systolischen Blutdruckes um ≥20mmHg oder als eine Reduktion des mittleren arteriellen Blutdruckes um ≥10mmHg. Weiters spricht man ebenso von intradialytischer Hypotension, wenn klinische Symptome wie Übelkeit, Kopfschmerz, Schwindel und Krämpfe während der Dialysebehandlung auftreten.

Weitere Risikofaktoren für die die Entstehung der intradialytischen Hypotension sind das hohe Alter, Diabetes mellitus, das weibliche Geschlecht, arterielle Hypertonie, kardiovaskuläre Erkrankungen, hohe interdialytische Gewichtszunahme, Nahrungsaufnahme während der Dialysesitzung und die prädialytische Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten.

Die Prävention von intradialytischer Hypotension

Maßnahmen zur Prävention der intradialytischen Hypotension in erster Linie sind die Limitierung der interdialytischen Gewichtszunahme, Flüssigkeits- und Salzrestriktion, Erhöhung der Dialysedauer beziehungsweise die Erhöhung der Anzahl an Behandlungen. Als weitere präventive Strategie wird auch die sequenzielle Hämodialyse empfohlen. Diese beinhaltet die isolierte Ultrafiltration gefolgt von der konventionellen Hämodialyse und wird für die Erhöhung der hämodynamischen Stabilität bei vor allem hohen Ultrafiltrationsvolumen eingesetzt.

Erforschung neuer Therapieansätze

An der Klinischen Abteilung für Nephrologie an der Med Uni Graz wird derzeit versucht mit Hilfe von nicht-invasiven Bioimpendanzmessungen die Hämodynamik der Dialysepatienten/innen zu charakterisieren. So können unterschiedliche Dialyseformen miteinander bezüglich der hämodynamischen Stabilität verglichen werden und präventive Maßnahmen und Strategien können genauer erarbeitet werden.

Steckbrief: Alexander Kirsch

Alexander Kirsch leitet die Forschungsgruppe Fortgeschrittene CKD und Hämodialyse. Ziel der Forschungsgruppe ist die Beantwortung von Fragestellungen aus dem Bereich der klinischen Nephrologie mit besonderem Fokus auf fortgeschrittene chronische Nierenerkrankung und Hämodialyse. Klinisch ist er als 2. Stv. Leiter der Klinischen Abteilung für Nephrologie am an der Med Uni Graz tätig.

Textbeitrag verfasst von Bence Szemes im Rahmen des Erweiterungsstudiums “Medizinische Forschung” erstellt.