Herzrhythmusstörungen durch Koffein?

Forschung Stoffwechsel & Kreislauf

Neue Übersichtsarbeit untersucht Risiken bei Kindern und Jugendlichen.

Moderne Methoden der Herzdiagnostik Moderne Methoden der Herzdiagnostik ©natali_mis - stock.adobe.com

Energydrinks, Koffeintabletten oder hochkonzentrierte Koffeinpulver erfreuen sich insbesondere bei Jugendlichen zunehmender Beliebtheit. Während geringe Mengen Koffein für gesunde junge Menschen in der Regel unbedenklich sind, kann ein übermäßiger Konsum erhebliche Auswirkungen auf das Herz haben. Eine Übersichtsarbeit von Forschenden der Med Uni Graz zeigt, dass hohe Koffeindosen bei Kindern und Jugendlichen mit teils schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen in Zusammenhang stehen können und unterstreicht die Bedeutung von Aufklärung und Prävention.

Die wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Koffein bei Kindern und Jugendlichen Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Anlass dafür ist der zunehmende Konsum koffeinhaltiger Produkte in dieser Altersgruppe, insbesondere von Energydrinks, aber auch von Koffeintabletten und anderen Produkten. Die Übersichtsarbeit zeigt, dass hohe Koffeinmengen mit verschiedenen Veränderungen am Herzen in Zusammenhang stehen können. Dazu zählen Herzrasen, Extraschläge, Vorhofflimmern, Kammertachykardien, Veränderungen im Elektrokardiogramm (EKG) und in seltenen, besonders schweren Fällen sogar lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen.

Für die Studie wurde die internationale Fachliteratur systematisch ausgewertet. Von insgesamt 126 identifizierten Publikationen erfüllten zwölf die definierten Einschlusskriterien. Darin wurden insgesamt 39 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren beschrieben, bei denen nach dem Konsum koffeinhaltiger Produkte Herzrhythmusstörungen oder auffällige EKG-Veränderungen aufgetreten waren. Besonders häufig standen die Ereignisse im Zusammenhang mit sehr hohen Koffeinmengen, die beispielsweise durch mehrere Energydrinks innerhalb kurzer Zeit oder durch Koffeintabletten beziehungsweise Koffeinpulver aufgenommen wurden.

„Niedrige Koffeinmengen werden von den meisten Jugendlichen gut vertragen“, erklärt Kinderkardiologe Stefan Kurath-Koller von der Med Uni Graz. Hohe Dosen können jedoch ein ernstzunehmendes Risiko für das Herz darstellen. Besondere Vorsicht ist bei Jugendlichen mit bestehenden Herzerkrankungen oder angeborenen elektrischen Störungen des Herzens geboten, da Koffein hier zusätzliche Risiken mit sich bringen kann. Gleichzeitig verdeutlichen die Ergebnisse, dass auch bislang herzgesunde Jugendliche nach exzessivem Koffeinkonsum schwerwiegende Herzrhythmusstörungen entwickeln können.

Die Studie macht damit auf ein wachsendes Gesundheitsproblem aufmerksam. Viele Kinder und Jugendliche unterschätzen die Wirkung stark koffeinhaltiger Produkte, was die Bedeutung einer gezielten Aufklärung über den verantwortungsvollen Umgang mit Koffein verstärkt, um vermeidbare Herz-Kreislauf-Komplikationen im jungen Alter zu verhindern.

Weitere Informationen

Stefan Kurath-Koller

Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr.med.univ. Dr.scient.med.
Stefan Kurath-Koller

Klinische Abteilung für pädiatrische Kardiologie
Medizinische Universität Graz

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