Healthy Aging des Bewegungsapparates

Forschung Gesundheitsforschung

An der Med Uni Graz wird geforscht, wie Muskeln, Gelenke und Knochen möglichst lange gesund bleiben.

Seniorin bei Gymnastik mi Theraband Seniorin bei Gymnastik mi Theraband © Robert Kneschke - stock.adobe.com

Solange wir uns schmerzfrei bewegen können, den ken die wenigsten darüber nach. Erst wenn das Auf stehen schwerfällt, die Knie schmerzen oder eine Verletzung den Alltag plötzlich verändert, wird deut lich, wie wichtig Mobilität eigentlich ist.

Knochen, Gelenke und Muskeln tragen uns ein Leben lang. Sie geben Stabilität, ermöglichen Bewegung und sind eine wichtige Voraussetzung dafür, auch im Alter aktiv und selbstständig zu bleiben. Während sich Unfälle nur bedingt vermeiden lassen, kann man die Gesundheit des eigenen Bewegungsapparates in vielerlei Hinsicht beeinflussen. Wer früh damit beginnt, in seine Knochen, Gelenke und Muskeln zu investieren, profitiert oft bis ins hohe Alter davon. Aber es ist nie zu spät, um anzufangen . Bewegung, Ernährung und ein gesunder Lebensstil können in jeder Lebens phase dazu beitragen, Mobilität und Lebensqualität zu erhalten.

Welche Faktoren für einen gesunden Bewegungsapparat entscheidend sind und welche Rolle die Forschung dabei spielt, wird an der Medizinischen Universität Graz untersucht. Dort wurde kürzlich die universitäre Kompetenzeinheit „Muskuloskelettale Gesundheit“ gegründet. Die Forschenden beschäftigen sich unter anderem mit altersbedingtem Kno chen- und Muskelschwund und der Frage, wie sich Mobilität möglichst lange erhalten lässt.

Kräftige Knochen, bewegliche Gelenke und starke Muskeln

Der Bewegungsapparat spielt für gesundes Altern eine zentrale Rolle. Stabile Knochen halten Belas tungen besser stand, gesunde Gelenke ermöglichen flüssige und schmerzfreie Bewegungen und eine gut erhaltene Muskulatur sorgt nicht nur für Kraft und Stabilität, sondern erfüllt auch wichtige Aufgaben im Stoffwechsel.

Knochen sind dabei keineswegs totes Gewebe. Sie befinden sich ein Leben lang im Umbau. Ihre Struktur wird ständig an die Anforderungen angepasst und reagiert unmittelbar auf Belastungen. Wer sich regelmäßig bewegt, sendet dem Körper das Signal, dass die Knochen gestärkt werden müssen.

Hinter diesem Prozess steckt ein fein abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener Zellen und Signalwege. Osteoblasten bauen neues Knochengewebe auf und unterstützen die Heilung nach Verletzungen. Ihre Gegenspieler, die Osteoklasten, bauen altes Gewebe ab und machen Platz für neues. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass die Knochenstruktur laufend erneuert und an die aktuellen Belastungen angepasst wird.

Dieses Gleichgewicht zwischen Aufbau und Abbau bleibt allerdings nicht das ganze Leben lang erhalten. Mit zunehmendem Alter überwiegt bei vielen Menschen der Knochenabbau. Die Knochenmasse nimmt danach ab und die Stabilität des Skeletts sinkt. Bereits ab dem 30. Lebensjahr geht die Knochenbilanz bei den meisten Menschen langsam ins Negative, ein Prozess, der sich im höheren Alter und bei Erkrankungen zusätzlich beschleunigen kann.

Um die Knochengesundheit möglichst lange zu erhalten, sind zwei Faktoren entscheidend. In jungen Jahren möglichst viel Knochenmasse aufzubauen und im Alter den Verlust möglichst gering zu halten. Dabei spielen vor allem regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung eine wichtige Rolle.

Bewegung wirkt gleich doppelt. Sie stärkt nicht nur die Knochen selbst, sondern fördert gleichzeitig den Aufbau der Muskulatur. Starke Muskeln entlasten und stabilisieren das Skelett zusätzlich. So greifen die verschiedenen Bestandteile des Bewegungsapparates ineinander und ermöglichen schmerzfreie Bewegung bis ins hohe Alter.

„Wie wichtig eine gesunde Ernährung für den Erhalt der Knochen- und Muskelmasse ist, zeigt sich besonders bei Fehl- und Mangelernährung. Ausreichend natürliches Eiweiß, Mineralstoffe wie Kalzium und ein intakter Vitamin-D-Haushalt sind hier essenziell und werden an der Med Uni Graz seit vielen Jahren intensiv erforscht“, erklärt Barbara Obermayer-Pietsch.

Gelenke als Angelpunkte der Bewegung

Während Knochen für Stabilität sorgen, übernehmen Gelenke die Beweglichkeit.

Je nach Aufgabe sind Gelenke unterschiedlich aufgebaut. Ein Kugelgelenk wie die Schulter oder die Hüfte funktioniert anders als ein Scharniergelenk wie der Ellenbogen. Die Grundfunktion bleibt jedoch dieselbe: Gelenke ermöglichen gemeinsam mit Muskeln, Bändern, Knorpeln und Gelenkflüssigkeit, dass wir uns flexibel und schmerzfrei bewegen können.

Im Laufe des Lebens sind Gelenke unterschiedlichsten Belastungen ausgesetzt. Dazu zählen Verletzungen und Fehlbelastungen ebenso wie Faktoren wie Übergewicht. Zu den häufigsten Ursachen von Gelenkschmerzen zählen entzündliche und degenerative Veränderungen, von Arthritis bis hin zur Arthrose. Gelenkbeschwerden sind weit verbreitet und betreffen etwa jede vierte Person.

Mehr als nur Kraft: warum Muskeln so wichtig sind

Für viele Menschen ist Muskulatur vor allem eine Frage der Fitness oder Ästhetik. Tatsächlich erfüllt sie aber weit mehr Aufgaben.

Muskeln stabilisieren den gesamten Bewegungsapparat, entlasten die Gelenke und unterstützen insbesondere die Wirbelsäule. Gleichzeitig sind sie ein wichtiges Stoffwechselorgan. Sie verbrauchen auch in Ruhe Energie, beeinflussen den Zuckerstoffwechsel und stehen über verschiedene Botenstoffe mit anderen Organen wie Gehirn, Leber oder Darm in regelmäßigem Austausch.

Mit zunehmendem Alter verändert sich jedoch der Stoffwechsel der Muskelzellen. Während der Aufbau von Muskelmasse in jungen Jahren vergleichsweise leicht gelingt, beginnt etwa ab dem 30. Lebensjahr ein schleichender Verlust an Muskelmasse. Gleichzeitig lagert sich vermehrt Fett in der Muskulatur ein.

Bis zu ein Prozent der Muskelmasse kann pro Jahr verloren gehen, bei längerer Inaktivität sogar deutlich mehr. Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können diesem Prozess entgegenwirken. Das Prinzip dahinter lässt sich einfach zusammenfassen: „Use it or lose it .“

Dabei gilt allerdings auch, dass Bewegung immer an die individuellen Möglichkeiten angepasst sein sollte. Wer zu intensiv trainiert oder unvorbereitet mit sportlicher Aktivität beginnt, riskiert Verletzungen und längere Zwangspausen. Gerade für Menschen, die neu mit regelmäßigem Training beginnen, kann eine professionelle Begleitung hilfreich sein.

Wenn das Tragen von Einkaufstaschen schwerfällt, das Aufstehen immer mehr Kraft kostet oder Stürze häufiger werden, steckt dahinter manchmal mehr als der normale Alterungsprozess. Mitunter geht bereits deutlich Muskelmasse verloren . Fachleute sprechen dann von Sarkopenie.

Muskelforschung auf höchstem Niveau

Sarkopenie tritt vor allem im höheren Lebensalter auf und erhöht unter anderem das Risiko für Stürze und Knochenbrüche. Angesichts einer alternden Bevölkerung wird sie zunehmend zu einer Herausforderung für Gesundheitssysteme weltweit.

Warum manche Menschen besonders rasch Muskelmasse verlieren, während andere bis ins hohe Alter körperlich fit bleiben, ist Gegenstand intensiver Forschung an der Med Uni Graz.

Dafür analysieren die Forschenden unter anderem Daten der Langzeitstudie „BioPersMed“ (Biomarker für personalisierte Medizin), die seit vielen Jahren mehr als 1.000 Teilnehmer*innen begleitet. Ziel ist es, Biomarker zu identifizieren, die frühzeitig auf Veränderungen im Muskel- und Skelettsystem hinweisen.

Dabei rückte unter anderem dp-ucMGP in den Fokus, ein Biomarker, der einmal mehr zeigt, wie eng Muskel- und Skelettsystem mit anderen Geweben und Stoffwechselprozessen vernetzt sind. Parallel dazu arbeiten die Forschenden an neuen Ansätzen zur Diagnostik und Risikoeinschätzung von Osteoporose und osteoporotischen Knochenbrüchen.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen Stoffwechsel, Knochen und Muskulatur. So zeigen Studien, dass Typ-2-Diabetes und insbesondere die weit verbreitete Insulinresistenz die Gesundheit von Knochen und Muskeln beeinträchtigen können, selbst dann, wenn die Knochendichte noch unauffällig erscheint.

Auch hormonelle Veränderungen spielen eine wichtige Rolle. Die Auswirkungen der Menopause und Andropause sowie Veränderungen des Hormonhaushalts werden deshalb ebenso untersucht wie deren Zusammenhang mit Stoffwechselerkrankungen und der Gesundheit des Bewegungsapparates.

Gemeinsam mit zahlreichen Fachdisziplinen an der Med Uni Graz und internationalen Forschungskonsortien arbeiten die Wissenschafter*innen daran, neue Möglichkeiten für Diagnostik, Prävention und individuelle Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Mobilität als Schlüssel für gesundes Altern

Knochen, Gelenke und Muskeln verändern sich ein Leben lang. Alterungsprozesse lassen sich nicht vollständig aufhalten, sie können jedoch maßgeblich beeinflusst werden. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ein aktiver Lebensstil tragen wesentlich dazu bei, die Gesundheit des Bewegungsapparates zu erhalten. Und vielleicht ist genau das die gute Nachricht. Für starke Knochen, bewegliche Gelenke und eine leistungsfähige Muskulatur lässt sich in jedem Alter etwas tun.

Was den Gelenken guttut

  • Gewicht im Blick behalten: Übergewicht belastet die Gelenke dauerhaft und kann Abnutzungsprozesse beschleunigen. 
  • Fehlbelastungen vermeiden: Schon kleine Anpassungen im Alltag – etwa am Arbeitsplatz oder beim Heben schwerer Gegenstände – können die Gelenke langfristig entlasten.
  • In Bewegung bleiben: Besonders günstig sind regelmäßige, moderate Bewegungsformen, die die Gelenke beweglich halten, ohne sie zu überlasten.
  • Auf einen gesunden Lebensstil achten: Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum wirken sich auch auf die Gelenkgesundheit negativ aus.

Kontakt und weitere Informationen

Barbara Obermayer-Pietsch

Univ.-Prof.in Dr.in med. univ.
Barbara Obermayer-Pietsch

Medizinische Universität Graz
Klinische Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie

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