Älter werden bei ­guter Gesundheit

Universität Gesundheit

Unter dem Titel „Healthy Aging“ diskutierten bei der Kleine Zeitung-Business Stage fünf Expert*innen ein Thema, das uns alle betrifft und bewegt.

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Expert*innen verreiten bei der Buisness Stage der Kleinen Zeitung, womit wir den Alterungsprozess tatsächlich beeinflussen können. Die ernüchternde Nachricht zuerst: Das Wundermittel, das uns ohne viel Zutun bei guter Gesundheit 120 Jahre alt werden lässt – das gibt es nicht! Werden wir also, um gesund immer älter werden zu können, auch zukünftig vor allem auf Faktoren wie gesunde Ernährung, Bewegung, regelmäßige ärztliche Gesundheitskontrollen etc. setzen müssen? Und was können Wissenschafter*innen, Apotheken und Unternehmen dazu beitragen, dass wir Menschen lange gesund und leistungsfähig bleiben?

Diese und viele andere Fragen haben fünf Expert*innen im Skyroom des Styria Media Centers bei der Kleine Zeitung-Business Stage diskutiert und gleichzeitig ihre Erkenntnisse und Sichtweisen zum Thema „Healthy Aging - gesund älter werden“ vermittelt: Christian Kladiva, Vorstandsdirektor der Merkur Versicherung, Lukas Schinko, CEO des Hörakustikunternehmens Neuroth, die Wissenschafterin Corina Madreiter-Sokolowski von der Med Uni Graz, die Allgemeinmedizinerin Kristina Hütter-Klepp so wie Alexandra Fuchsbichler, Apothekerin und Präsidentin der Apothekerkammer Steiermark.

Was heißt altern?

Der menschliche Organismus wird aus mehr als 400 Zelltypen gebildet, die unterschiedlich schnell altern. Was ihnen aber allen gemein ist: Die genetische Information, die sie in sich tragen, wird mit der Zahl der Lebensjahre zunehmend schadhaft. Auch die Kraftwerke der Zellen, die Mitochondrien, arbeiten nicht mehr so effektiv. Das zusammen verschlechtert die Funktionsfähigkeit der Zellen – sprich, wir altern.

Der Trend „Longevity“, also das Streben nach gesundem Leben bis ins hohe Alter, und die damit verbundenen Verhaltenstipps, Präparate oder Wirkstoffe sind aktuell in aller Munde. Wie viel daran ist wissenschaftlich basiert?

Corina Madreiter-Sokolowski: Vieles, was versprochen wird, basiert nicht auf repräsentativen klinischen Studien. Einen Wirkstoff an vielleicht zehn Menschen zu testen, das reicht nicht. Dazu sind die Einflussfaktoren auf unseren Alterungsprozess einfach viel zu komplex.

Alexandra Fuchsbichler: Und was die „Wundermittel“, die durch diverse Kanäle geistern, betrifft, da muss ich auch als Apothekerin alle enttäuschen: Die Pille fürs Ewig-jung-bleiben ist mir noch nicht untergekommen und es gibt sie auch nicht.

Welche Maßnahmen für ein gesünderes Älterwerden sind nun wissenschaftlich wirklich abgesichert?

Madreiter-Sokolowski: Einfach umzusetzen und wirkungsvoll sind pflanzenbasierte, kalorienreduzierte Diäten. Sehr groß ist auch Einflussfaktor der persönlichen Gesundheitskompetenz.

Fuchsbichler: Dem kann ich mich nur anschließen. Wir müssen schon bei unseren Kindern anfangen, ihnen Gesundheitskompetenzen zu vermitteln. Das bringt erwiesenermaßen Lebensjahre. Dass die Menschen diese auch gesund genießen können, das ist eine der Kernaufgaben der Apotheke als niederschwellige und gesundheitserhaltende Institution.

Kristina Hütter-Klepp: Es sind altbekannte Dinge wie Gesundes Essen, Bewegung, ausreichend Schlaf etc., die uns gesünder alt werden lassen. Ganz wichtig: Es ist nie zu spät, für eine Lebensstiländerung!

Herr Kladiva, die Merkur Versicherung, die in ihrem Slogan das Wunder Mensch versichert, hat wohl einen recht guten Überblick über den Gesundheitszustand ihrer Klient*innen?

Christian Kladiva: Als älteste Versicherung Österreichs und Pionier auf dem Gebiet der ­Prävention wissen wir, dass sich gesundheitliche Veränderungen in bestimmten Lebensphasen häufen können. Gemeinsam mit Partnern im Gesundheitswesen können solche Erkenntnisse dazu beitragen, Vorsorge und Versorgung gezielt weiterzuentwickeln – mit dem klaren Ziel, Menschen dabei zu unterstützen, möglichst lange fit zu bleiben.

Und welche Maßnahmen kann ein großes Unternehmen wie Neuroth für die Gesundheit seiner Mitarbeiter*innen setzen, Herr Schinko?

Lukas Schinko: Für mich ist die allerwichtigste Maßnahme eine gesunde Unternehmenskultur. Wenn sich Mitarbeiter*innen wohlfühlen, dann reduziert das schon einmal den Faktor Stress enorm. Dazu kommen Themen wie gezielte Aufklärung und regelmäßige Gesundheitstests. So kann ein Hörgerät bei Schwerhörigkeit das Risiko einer Alterserkrankung wie Demenz signifikant senken.

Hütter-Klepp: Ja, Unternehmen sind ein guter Ort, um präventive Gesundheitsmaßnahmen an eine große Zahl von Menschen zu kommunizieren.

Für welches maximale Alter ist der Mensch eigentlich gebaut?

Madreiter-Sokolowski: Mathematische Modelle gehen von einem Alter von bis zu 125 Lebensjahren aus.

Angenommen Sie werden Gesundheitsminister*in. ­Welche Präventionsmaßnahme steht dann bei Ihnen ganz oben?

Kladiva: Die Förderung von gesunder Ernährung und Bewegung in Kindergärten.

Madreiter-Sokolowski: Ein Schwerpunkt für mehr Gesundheitskompetenz in Schulen.

Hütter-Klepp: Eine Kommunikationsoffensive für mehr Gesundheitsbewusstsein.

Fuchsbichler: Ein Präventions-/Gesundheitskonto mit individuellen Gesundheitsangeboten wie Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen.

Schinko: Alles, das mehr Lebensfreude und ein gesundes Selbstwertgefühl fördert.

Textnachweis: Kleine Zeitung vom 24.04.2026
 

Weitere Informationen

Corina Madreiter-Sokolowski

Assoz. Prof.in Priv.-Doz.in Mag.a pharm.
Corina Madreiter-Sokolowski
PhD

Lehrstuhl für Molekularbiologie und Biochemie
Medizinische Universität Graz

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