Grazer Universitäten: Gemeinsam für einen zukunftsfähigen Wissensstandort Steiermark

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Die Grazer Unis und Vertreter aus Politik und Wirtschaft sprechen über die Folgen eines Sparkurses.

Handschlag und Partnerschaft im Gesundheitswesen Handschlag und Partnerschaft im Gesundheitswesen ©Malik_E/peopleimages.com - stock.adobe.com

Die Steiermark zählt zu den erfolgreichsten Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationsregionen Europas. Dieser Erfolg ist das Ergebnis jahrzehntelanger Investitionen in exzellente Lehre, international sichtbare Forschung, sowie einer beispielgebenden Zusammenarbeit der fünf steirischen Universitäten und ihrer Partner aus Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft. Eine Finanzierungslücke der Universitäten, wie sie derzeit im Raum steht, würde die Steiermark besonders empfindlich treffen. 

Neben spürbaren Auswirkungen auf die Forschung und Innovationskraft der Region, würden die Kürzungen einen massiven Eingriff in die Zukunft der jungen Menschen bedeuten, deren positive Weiterentwicklung direkt an Betreuungsqualität, Studienbedingungen sowie auf die Breite des Studienangebots gekoppelt ist. 

Die Finanzierungslücke würde auch die Universitätsstädte Graz und Leoben schwer treffen. In der steirischen Landeshauptstadt leben 50.000 Studierende, ein Sechstel der Bevölkerung. Die rund 3.000 Studierenden in Leoben stellen mehr als zehn Prozent der Bevölkerung. 

Auf Initiative der Universität Graz haben Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam darüber beraten, wie die Finanzierung der Universitäten für die kommende Leistungsvereinbarungsperiode 2028–2030 gestaltet werden kann. Mit dem Runden Tisch soll ein Beitrag zu einer sachlichen, gemeinsamen und lösungsorientierten Diskussion geleistet werden. Ziel ist es, eine tragfähige Grundlage für die weiteren Verhandlungen für die steirischen Unis zu schaffen und gemeinsam Perspektiven für die Zukunft der steirischen Wissensregion zu entwickeln.

Universitäten schaffen Wertschöpfung weit über den Campus hinaus

Wenn das Budget wie kolportiert kommt, wird die Finanzierungslücke die Steiermark in besonderem Ausmaß treffen. Die Region erwirtschaftet mehr als ein Fünftel der gesamten österreichischen Forschungs- und Entwicklungsleistungen; rund ein Viertel davon entfällt auf die öffentlichen Hochschulen. Und auch die innovativen Unternehmen sind auf die an den Universitäten ausgebildeten Expertinnen und Experten angewiesen. 

Für die neue Leistungsperiode 2028–2030 haben die österreichische Universitätenkonferenz (uniko) und die Universitäten vorausschauend einen ohnehin knapp bemessenen Finanzierungsbedarf von 18 Milliarden Euro errechnet. Der Bund aber geht weiter von einer Fortschreibung des bisherigen Uni-Budgets in der Höhe von 16,5 Milliarden Euro gesamt für die österreichischen Unis aus und kalkuliert nach derzeitigem Wissensstand darin auch jene Ausgaben in der Höhe von etwa 1 Milliarde Euro, die bisher nicht von den Universitäten direkt, sondern über andere Budgetquellen finanziert wurden. Auf den Punkt gebracht, würde dieser Budgetkurs eine Finanzierungslücke von insgesamt 2,5 Milliarden Euro für die österreichischen Universitäten für die nächste Leistungsperiode bedeuten. 

„Dass die Steiermark mit 5,3 Prozent die höchste Forschungsquote Österreichs hat, ist kein Zufall, sondern Ergebnis der engen Verzahnung von Universitäten und Wirtschaft: Acht der fünfzehn österreichischen High-Tech-Forschungsprojekte im COMET-Programm werden von einem steirischen Universitätsinstitut geleitet und diese Forschung zieht Betriebe an. Der größte Teil des Ertrags ist aber gar nicht in diesen Zahlen sichtbar: Drei bis zehn Prozent des realen Wirtschaftswachstums gehen auf universitäre Forschung und Lehre zurück. Genau deshalb sind Kürzungen in diesem Bereich so gefährlich – schon fünf Prozent weniger Absolventinnen und Absolventen kosten Österreich langfristig 3,2 Milliarden Euro pro Jahr," betont Monika Köppl-Turyna, Direktorin von Eco Austria

Sparen, ohne Zukunftschancen zu verspielen

„Uns ist bewusst, dass wir in budgetär herausfordernden Zeiten leben. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Universitäten sparen können. Das können und werden sie. Entscheidend ist, dass der Sparkurs nicht jene Strukturen beschädigt, die mit viel Anstrengung aufgebaut wurden und die wir Menschen für die Zukunft brauchen. Denn neben der klassischen Berufsausbildung und exzellenter Forschung verbindet eine Allgemeinuniversität unterschiedliche Disziplinen,“ betont Peter Riedler, Rektor der Universität Graz und dankt der ÖH-Uni Graz für diese gemeinsame Initiative zum Runden Tisch, die kurzerhand und auf Augenhöhe umgesetzt werden konnte.

„Bildung ist ein Menschenrecht und der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben. Trotzdem soll jetzt genau hier massiv gekürzt werden! In Zeiten multipler Krisen und zunehmender gesellschaftlicher Spaltung sind genau deshalb ausfinanzierte Universitäten wichtiger denn je. Kürzungen setzen die Zukunftsperspektiven von uns Studierenden und Nachwuchsforschenden aufs Spiel und senden ein fatales Signal an die gesamte Gesellschaft“, bringt Valentina Simschitz, ÖH-Vorsitzende Uni Graz die Sorge auf den Punkt.

Wie vor allem in den vergangenen Monaten mehrfach ausführlich erklärt wurde, bekennen sich die steirischen Universitäten zu einem verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Effizienzpotenziale und Strukturen werden laufend weiterentwickelt. Gerade in der Steiermark haben die Universitäten bereits vor mehr als zwanzig Jahren begonnen, intensiv auf Kooperationen zu setzen (z. B. NAWI Graz, BioTechMed-Graz, Kunst-TU, iHub Graz, Gründungsgarage, Lehramtsausbildung). Sie zeigen mit den gemeinsam geschaffenen Infrastrukturen (z. B. GCP, Cori-Gebäude, Geozentrum) auf, wie man sich gemeinschaftlich stärker positionieren und Kräfte bündeln kann.

Textnachweis: Uni Graz, 31. August 2026