Gehirn zum Angreifen: Med3DPresenter – Neurochirurgie in 3D

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Alexander Thaller spricht mit Stefan Wolfsberger über die Neurochirurgie und die Lange Nacht der Forschung.

Bilder einer Tomographie des Gehirns Bilder einer Tomographie des Gehirns © stock.adobe.com - merrydolla

Anlässlich der Langen Nacht der Forschung, die am 24. April 2026 stattfindet, unterhalten sich Alexander Thaller und Stefan Wolfsberger über Neuerungen in der Neurochirurgie, die erstmalig während der Langen Nacht der Forschung präsentiert werden und folglich Einzug in das Curriculum des Humanmedizinstudiums finden werden.

Alexander Thaller: Herr Professor, Sie sind nun vor mehr als vier Jahren Ihre Professur an der Universitätsklinik für Neurochirurgie hier am LKH-Universitätsklinikum Graz bzw. an der Medizinischen Universität Graz angetreten. Mit der Funktion als Klinikvorstand bekommt man die Möglichkeit, spezielle Schwerpunkte in der Lehre und Forschung des eigenen Fachs zu setzen. Welche Projekte konnten Sie in dieser Zeit bisher umsetzen?

Stefan Wolfsberger: Die Neurochirurgie zeichnet sich durch den Einsatz technischer Hilfsmittel aus, die Operationen erleichtern und zu einem erweiterten Verständnis des Fachs beitragen können. So beschäftige ich mich vor allem mit intraoperativen Bildgebungsmodalitäten, was die Einführung unseres intraoperativen Magnetresonanztomografen zur Folge hatte. Auch sind wir – unter anderem durch Ihre Forschungsarbeit – an der Weiterentwicklung der Darstellung subkortikaler Faserbahnen für die intraoperative Neuronavigation maßgeblich beteiligt. Zusätzlich ist es mir ein Anliegen, dass unsere Assistenzärzt*innen frühzeitig eine fundierte neuroanatomische, neurochirurgische Ausbildung am Präparat erhalten, weswegen jede*r Assistenzärztin*Assistenzarzt am Anfang ihrer*seiner Ausbildung für einen Monat von der klinischen Arbeit freigestellt wird, um neurochirurgische Zugänge am Humanpräparat am Lehrstuhl für Makroskopische und Klinische Anatomie erlernen und üben zu können. Besonders erfreut bin ich aber vor allem über die kürzliche Implementierung des Med3DPresenters, der von der Med Uni Graz im Rahmen der Qualitätssteigerung in der Lehre mit 50.000 Euro prämiert und gefördert wurde.

Alexander Thaller: Ich möchte mit Ihnen gerne genauer über den Med3DPresenter sprechen. Einerseits stellt dieser eine neue Neuerung im Bereich der bildgebenden Verfahren dar, andererseits besteht hier viel Potenzial, wenn man an die studentische Lehre denkt. Können Sie bitte erläutern, was der Med3DPresenter genau ist und wie es zu dessen Einsatz gekommen ist?

Stefan Wolfsberger: In der Neurochirurgie war es schon immer schwierig, chirurgische Lehrinhalte so zu vermitteln, dass sie unserer Tätigkeit im Operationssaal möglichst nahekommen. Das liegt schlussendlich an der komplexen Anatomie des Gehirns und der Notwendigkeit anhand kleinster operativer Zugänge ein räumliches Vorstellungsvermögen für das Operationsareal und darüber hinaus aufzubauen. Hierbei ist es vor allem wichtig, Tiefe zu erkennen, um Millimeterentscheidungen sicher treffen zu können. Somit kam es zur Entwicklung des Med3DPresenters, der die stereoskopische Darstellung anatomischer Fotos und Modelle, sowie von Bildgebungen und Operationsvideos ermöglicht. Strukturen können in Echtzeit gedreht und vergrößert werden, sodass man ein viel umfangreicheres Verständnis für den Aufbau unseres Gehirns gewinnt.

Alexander Thaller: Den Vorteil von 3D-Darstellungen kann ich nur bestätigen. Als ich die ersten Operationsvideos für unsere Universitätsklinik aufgearbeitet und diese danach in 3D gesichtet habe, hat sich ein ganz anderes Verständnis bzw. Gefühl für die zugrundeliegende Neuroanatomie bei mir eingestellt. Ist der Med3DPresenter aktuell schon im Einsatz?

Stefan Wolfsberger: Wir sind nun mit der Entwicklungsarbeit so weit fertig, dass der Med3DPresenter ab dem Sommersemester 2026 in die Lehre integriert werden kann. Erstmalig möchten wir die dadurch entstandenen Lehrmöglichkeiten bei der Langen Nacht der Forschung am 24.04.2026 präsentieren. So kommen nicht nur Studierende, sondern auch alle Interessierten in den Genuss, das menschliche Gehirn in 3D zu entdecken! Danach wird der Med3DPresenter im Rahmen des PM XVIII – Erkrankungen des Nervensystems in den Neurochirurgischen Vorlesungen und Seminaren schrittweise eingeführt – anfangs in den Lehrveranstaltungen der Schädelbasischirurgie.

Alexander Thaller: Bisher konnte ich bereits 3D-Operationsvideos in unseren Vorlesungen vorstellen. Auf was können sich die Studierenden künftig freuen?

Stefan Wolfsberger: Mit der Einführung des Med3DPresenters stellen wir einen unmittelbaren Bezug zwischen anatomischen Strukturen, klinischen Fragestellungen und den nötigen chirurgischen Schritten her. Die Studierenden können somit die zugrundeliegende Anatomie besser begreifen, bevor die Operationsschritte gemeinsam erarbeitet werden. So entsteht eine interaktive 3D-Lehre, die als Brücke zwischen anatomischem Wissen und mikrochirurgischer Exzellenz fungiert und somit die neurochirurgische Lehre revolutioniert. Wir ermöglichen damit, dass die Auswirkung neurochirurgischer Pathologien auf das filigrane und umfangreiche Netzwerk des Gehirns sowie die Konsequenzen etwaiger chirurgischer Handgriffe intuitiver verstanden werden können.

Alexander Thaller: Sie haben berichtet, dass der Med3DPresenter bei der Langen Nacht der Forschung am 24. April 2026 erstmalig zum Einsatz kommt. Welches Programm haben Sie hierfür zusammengestellt?

Stefan Wolfsberger: Wir wollen allen Interessierten einen Einblick geben, wie man im Zentrum des Denkens operiert. Hierfür haben wir drei spannende Fälle zusammengestellt, die von Fabian Flaschka, Ihnen, und mir vorgestellt werden. Dabei erwartet das Publikum neue 3D-Modelle des Gehirns und des Schädels, mit Hilfe derer wir die Fälle gemeinsam erarbeiten und so die Neurochirurgie ein Stück weit nahbarer darstellen wollen. Wir hoffen auf rege Teilnahme und viele Fragen!

„Wie operiert man im Zentrum des Denkens? Neurochirurgie in 3D erleben“ ist der Beitrag der Universitätsklinik für Neurochirurgie anlässlich der Langen Nacht der Forschung 2026. Stefan Wolfsberger und sein Team präsentieren ihre tägliche Arbeit am 24.04.2026 um 17:00, 18:00 und 19:00 Uhr im Großen Hörsaal der Anatomie (Lehrstuhl für Makroskopische und Klinische Anatomie, Auenbruggerplatz 25, 8036 Graz).

Der Textbeitrag wurde von Alexander Thaller im Rahmen des Erweiterungsstudiums “Medizinische Forschung” erstellt.

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Alexander Thaller

Dr.med.univ.
Alexander Thaller

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