Viewpoint-Paper rund um zirkulierende Tumor-DNA

Forschung Krebsforschung

Gabriel Rinnerthaler und das Team des Papers wollen auf Stolpersteine hinweisen.

Doppelhelix auf einem digitalen Display Doppelhelix auf einem digitalen Display © Monmeo – stock.adobe.com – generiert mit KI

Forscher*innen der Med Uni Graz waren kürzlich an einem Viewpoint-Paper im Journal eBioMedicine beteiligt, welches die Hürden und Stolpersteine der ctDNA-Analyse aufzeigt.

Zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) gilt als einer der spannendsten Biomarker in der Krebsmedizin: Sie könnte helfen, minimale Resterkrankungen (MRD) aufzuspüren, Diagnosen zu präzisieren, den Krankheitsverlauf vorherzusagen und Therapien gezielter zu steuern. Ein aktueller Fachbeitrag mahnt nun jedoch zur Vorsicht. Die Autor*innen zeigen, dass viele ctDNA-Studien mit wiederkehrenden methodischen und statistischen Problemen zu kämpfen haben – insbesondere, wenn Messungen über längere Zeiträume hinweg ausgewertet werden.

Kernpunkt der Kritik: Wichtige Leistungskennzahlen wie Sensitivität und Spezifität verändern sich mit der Zeit und dürfen nicht als konstante Größen interpretiert werden. Unklare Definitionen der „Vorlaufzeit“ (wie viel früher ctDNA ein Ereignis anzeigt) erschweren Vergleiche zwischen Studien zusätzlich. Besonders heikel ist der sogenannte Immortal-Time-Bias: Werden Patient*innen als „immer positiv“ eingestuft, nur weil sie im Verlauf irgendwann positiv getestet wurden, verfälscht das die Ergebnisse.

Anhand von Beispieldaten, Simulationen und der Reanalyse veröffentlichter Studien liefert das Team praxisnahe Empfehlungen für Studiendesign, Auswertung und Berichterstattung. Das Fazit ist nüchtern: ctDNA hat großes Potenzial, doch bevor definitive Standards formuliert werden können, braucht es robustere Evidenz und eine konsequent saubere Methodik bei longitudinalen Analysen.

Mit dem Viewpoint-Paper will das Team primär das Bewusstsein für diese Auswertungsfallen in der Fachwelt schärfen.